Giftpflanzen erkennen

Der eine oder andere mag sich mit nur einer Informationsquelle über giftige Pflanzen (für Katzen) zufrieden geben, vertraut dann auf die Richtigkeit der Informationen - und gut. In der Regel sind es irgendwelche Einträge in Katzenforen oder bestenfalls eine Giftpflanzen-Liste aus einem Fachbuch.
Wenn man allerdings anfängt sich mit giftigen und ungiftigen Pflanzen näher zu beschäftigen, stößt man recht bald auf widersprüchliche Informationen. Man "hat gehört" das Pflanze "XY" giftig ist, man liest im Internet das Pflanze "Z" ungefährlich ist und findet zum Schluss in einem Fachbuch, dass Pflanze "XY" und "Z" ein und dieselbe Pflanze sein sollen. So oder so ähnlich ist mir das schon zig Mal passiert und mich begann zu interessieren, warum die Informationen oft so widersprüchlich sind. Aber wie findet man wirklich heraus, ob eine Pflanze giftig oder ungiftig (für Katzen) ist?

1. Wann ist eine Pflanze überhaupt giftig?

Das bekannte Zitat des Alchemisten und Arztes Paracelsus "dosis sola facit venenum" erklärt es mit wenigen Worten. Es sagt aus, dass im Grunde alles giftig ist und das allein die Dosis (gemeint ist hier die Menge und nicht die Verniedlichung von Dosenöffner ;-)) entscheidet über giftig oder ungiftig. Das leuchtet ein, wo doch auch Medikamente nur in der richtigen Dosis wirken oder aber bei falscher Dosierung Schaden anrichten können.
Bei Pflanzen ist es genau so. Wird nur ein Blatt verzehrt, kann eine leicht giftige Pflanze durchaus ungefährlich sein. Werden aber bestimmte Teile oder eine größere Menge Blätter zu sich genommen, kann es böse ausgehen. Zu allem Übel können die Pflanzen je nach Standort und Pflege auch noch mehr oder weniger Gift enthalten.
Für den Katzenfreund heißt das wohl, dass man nicht unbedingt nach ungiftigen Pflanzen suchen sollte. Viel mehr sollte man nach unbedenklichen Pflanzen für die Katzenumgebung suchen, deren Giftigkeit zum Beispiel gering genug ist, dass den Katzen auch bei ausgiebigem Beknabbern nichts passieren kann. Oder Pflanzen, wo das Gift nur in der Wurzel vorkommt, die tief im Blumentopf versteckt ist und wo die Katze nicht heran kommt (natürlich nur, wenn sie nicht gräbt...).

Auf Katzen-Minze.de unterscheide ich deshalb bei den Pflanzenempfehlungen:
KnabberpflanzeKnabberpflanzen (für unersättliche Katzen zum ausgiebigen Knabbern und zum Verzehr geeignet)
unbedenkliche Dekopflanze zum Knabbernunbedenkliche Dekopflanzen, grünes Symbol (für Katzen die nur gelegentlich knabbern geeignet)
unbedenkliche Dekopflanze unter Beobachtungunbedenkliche Dekopflanzen, graues Symbol (nur für Katzen die einmal kurz reinbeißen, nicht aber für regelmäßige Knabbereien geeignet)

2. Was für eine Pflanze genau hat man vor sich?
Man muss den korrekten Pflanzennamen in Erfahrung bringen und das ist je nach Pflanze für den Hobbygärtner gar nicht so einfach. Die Pflanzen-Schildchen hebt man in der Regel nicht auf und selbst wenn, steht da nicht unbedingt die genaue Sorte drauf. Das hat mich zum Beispiel auch sehr gewundert, als ich es heraus gefunden habe. Also muss man sich oftmals mit der Gattung und der Art der Pflanze zufrieden geben. Hinzu kommt die umgangssprachliche Bezeichnung einer Pflanze. Fragen Sie mal im Bekanntenkreis, was Ihre Freunde unter einem "Drachenbaum" verstehen. Wenn Sie dann ein paar Fotos dazu holen, werden Sie staunen was dabei heraus kommt. Bestimmte Bezeichnungen sind einem so geläufig, dass man gar nicht auf die Idee kommt sie in Frage zu stellen. Und so lernt ein Hobbygärtner vom anderen unter Umständen falsche oder viel zu allgemeine Pflanzennamen, die letzen Endes bei der Bestimmung von Giftpflanzen zu Missverständnissen und falschen Informationen führen. Für mich war ein Drachenbaum immer ein "Dracaena Marginata", der für Katzen unbedenklich ist. Wenn man bedenkt, dass es etwa 30 Drachenbaumarten gibt kann man verstehen, dass man unmöglich davon sprechen kann, Drachenbäume wären generell ungiftig. Damit wird auch klar, warum in einem Forum steht "Drachenbaum giftig" und im anderen "Drachenbaum ungiftig". Von dieser Sorte Verwechslungen und Ungenauigkeiten gibt es unsagbar viele und das sogar in der Fachliteratur. In dem Buch "Giftpflanzen" von Frohne und Pfänder werden einige dieser Fälle aufgedeckt.

3. Für wen ist die Pflanze giftig?
Die Pflanzenart und den möglichen Giftgehalt zu kennen ist schon mal eine gute Basis. Aber auch das reicht noch lange nicht aus, um die Giftpflanzen-Frage zu klären. Denn nicht jeder Inhaltsstoff ist für jedes Individuum gleichermaßen gefährlich. Egal ob Mensch oder Tier, ist die Gift-Dosis im Verhältnis zu Größe und Körpergewicht zu sehen. Und innerhalb der Tierwelt sind manche Pflanzen nur für bestimmte Tierarten giftig. Bei der Angabe einer Giftigkeit muss man also auch immer berücksichtigen, wer der Pflanze oder dem Pflanzengift ausgesetzt sein wird oder es aufgenommen hat. Einige Pflanzen die problemlos in Terrarien gepflanzt werden, können für Katzen oder Vögel sehr giftig sein. Man kann also nicht einfach eine "ungiftig für Menschen-Liste" eins zu eins auf unsere Haustiere übertragen. Oder eine "ungiftig für Reptilien-Liste" auf Katzen und andere Säugetiere übertragen.

4. Wozu dann der ganze Aufwand, wenn man doch keine Gewissheit haben kann?

Wie stark man sich mit giftigen Pflanzen auseinandersetzt, bleibt jedem selbst überlassen. Doch wer Kinder oder Haustiere hat, dem ist sicher daran gelegen, dass ihnen keine Vergiftung widerfährt. Denn kommt es einmal zu einer ungewissen Situation, was tun? "Wird schon schief gehen" denken und abwarten? Vorsorglich den Magen auspumpen lassen? Alle Pflanzen aus der Umgebung verbannen? Oder bei jeder Annäherung an Pflanzen Kind und Katze panisch wegzerren?

(M)Ein Weg damit umzugehen:

  • Pflanzen die man nicht genau identifizieren kann, nicht unbeaufsichtigt in Katzenumgebung stehen lassen. Im Hausflur oder dem abgeschlossenen Toilettenraum aufstellen, damit gelangweilte Katzen (Kinder) nicht auf dumme Ideen kommen.
  • Auf "identifizierte" Pflanzen zurück greifen und bedenkliche Pflanzen nur dort aufstellen, wo sich die Katze ausschließlich unter Aufsicht aufhält. Das kann zum Beispiel der Balkon sein oder ein Arbeitszimmer, wo die Tür verschlossen bleibt. Bekannte Giftpflanzen gar nicht anschaffen oder wenn sie vor der Katze schon da waren verschenken.
  • Auch ungiftige Pflanzen besser wegstellen wenn Sie merken, dass Ihre Katze zu oft knabbert.